Eingebettet in eine noch weitgehend intakte Kulturlandschaft verfügt Staufen auch innerstädtisch über einige Freiflächen, die für die Naherholung, zur Anpassung an den Klimawandel und zur Förderung der Biodiversität ein großes Potenzial aufweisen. An einem heißen Juliabend machte sich im Rahmen des Wanderprogramms des Schwarzwaldvereins eine Gruppe von ca. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Franz Wiesler auf den Weg, um das „Grüne Band Staufen“ kennenzulernen.
Der Weg führte durch den Park an der Lilienhofschule zum Schlossgarten, an den Grabengärten und am Neumagen entlang, durch die sieben Hügel und schließlich durch die Wohngebiete Rundacker und Falkenstein zum Historischen Friedhof.
Am Beispiel einer großen Linde bei der Lilienhofschule, einem Naturdenkmal, erfuhren die Teilnehmer etwas über die verschiedenen Kategorien des Naturschutzes in Deutschland, wie Naturschutzgebiete (z.B. Castelberg), Landschaftsschutzgebiete (z.B. Schlossberg) und geschützte Biotope, wie sie auch in Staufen häufig ausgewiesen sind. Im Schlossgarten erläuterte Franz Wiesler das Konzept des Fördervereins Staufener Stadtgärten, um hier einen Demonstrations- und Experimentiergarten „Biodiversität in der Stadt“ zu entwickeln. Dazu wurden in den letzten Jahren eine Blühwiese, eine Benjeshecke sowie Stein- und Totholzbiotope angelegt. Aktive Mitglieder des Fördervereins kultivieren eine Vielzahl landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen, u.a. Buchweizen, Lupinen sowie verschiedene Getreide- und zahlreiche Tomatensorten unterschiedlicher Herkunft. Themenbeete mit Schattenpflanzen und insektenfreundlichen Pflanzen komplettieren das Bild. Schüler der Lilienhofschule und der Thaddäus-Rinderle-Schule arbeiten im Schlossgarten mit, der auch für Veranstaltungen, wie das jährlich wiederkehrende Fest der Freundschaft des Partnerschaftsausschusses Bonneville, genutzt wird.
Der Weg führte dann vorbei am Kastanien- und Grabengarten, wo je nach Jahreszeit ganz unterschiedliche Pflanzen mit ihrer Blütenpracht die Besucher erfreuen. Wie überall, leidet auch dieser Garten zurzeit unter der extremen Trockenheit, der die dort aktiven Gärtnerinnen nach Pflanzen Ausschau halten lässt, die die Sommertrockenheit besser vertragen und für eine Weiterentwicklung des Gartens genutzt werden können.
Weiter ging es, über die Straßen Auf dem Graben, Gerbergasse und Im Grün, den Neumagen entlang, zum Stadtsee. Hier konnte man unter der Platanenallee auf beindruckende Weise die kühlenden Effekte der Baumvegetation erfahren. Im Wohngebiet Grünmatten, das in lockerer Bauweise nach dem 2. Weltkrieg entstanden ist, wurden Vor- und Nachteile der Nachverdichtung, die von der Politik zur Schaffung von Wohnraum favorisiert wird („Innen- vor Außenentwicklung“), diskutiert.
Schließlich wurde der Neumagen überquert und über die „Sieben Hügel“ das Wohngebiet Rundacker erreicht. Der ehemals der Wiesenbewässerung dienende Tunseler Graben verleiht diesem Gebiet ein besonderes Flair. Es ist, neben einer großzügigen Grünfläche zum Gewerbegebiet hin, zu einem großen Teil durch dichten Geschosswohnungsbau charakterisiert. Ganz anders in der Falkensteinsiedlung, in der Hochhäuser genug Raum für weitläufige Grünflächen zwischen den Gebäuden ermöglichten. Angesichts der kürzlich erfolgen Bebauung des Göler-Geländes in Nachbarschaft der Falkensteinsiedlung wurden hier Argumente pro und contra „Bauen in die Höhe“ ausgetauscht.
Letzte Station war der im 16. Jahrhundert angelegte Friedhof. Er ist Begräbnis-, Erinnerungs- und Begegnungsstätte für viele Staufener und erfüllt mit seinem alten Baumbestand nicht zuletzt eine Funktion als grüne Oase in der Stadt.
Gerade an diesem heißen Sommerabend waren sich die Teilnehmer über die Bedeutung der Stadtökologie im Klimawandel einig.

Bäume, Gärten, Bachläufe, ein Schlosspark und ein alter Friedhof – Staufen durchzieht ein grünes Band, dass dem Stadtklima guttut.

Franz Wiesler führt Interessierte durch Staufen und zeigt dabei das Grüne Band der Stadt.