Ob als Spaziergang oder erweiterter Stadtbummel: Franz Wiesler zeigt, wie man Staufens Grünes Band kennenlernen kann – Gebiete, die für Stadtklima, Naherholung und Biodiversität wichtig sind.  (Andrea Drescher)

 Klimaanpassung ist längst kein abstrakter Begriff mehr, sondern eine zunehmend drängende Aufgabe für Städte. Diese werden infolge des Klimawandels immer heißer. Staufen hat hier aber Vorteile: Freie Flächen, Gärten und den Stadtsee zum Beispiel. Franz Wiesler, Vorsitzender des Fördervereins Staufener Stadtgärten, Agrarwissenschaftler im Ruhestand und früherer Stadtrat, engagiert sich für den Erhalt und die Verbindung solcher Flächen als Grünes Band. Für ihn haben sie „viele positive Effekte“ für das Leben in der Stadt im Klimawandel.

Wer dort an heißen Tagen zu Fuß unterwegs ist, merkt es sofort: Es ist deutlich angenehmer als auf geteerten Straßen oder zwischen dicht gebauten Häusern. Wiesler hofft, dass die Innenverdichtung, die oft als Ausweg aus der Wohnungsnot gesehen wird, das Grün in der Stadt nicht zu stark zurückdrängt – und dass möglichst wenig weitere Flächen versiegelt werden. Bei einer Tour des Schwarzwaldvereins am 9. Juli will er Interessierten zeigen und erklären, warum ihm das wichtig ist.

Alte Bäume sorgen für Schatten auf dem Schulhof

Auf dem Areal der Lilienhofschule steht unter anderem eine alte Linde. Sie ist als Naturdenkmal markiert und spendet auf dem Schulhof im Sommer kühlenden Schatten. Auch der benachbarte obere Schlosspark ist dank alter Bäume schattig. Allerdings ist er nicht öffentlich zugänglich, was sich aber ändern soll. Etwas unterhalb liegt der vom Förderverein Staufener Stadtgärten bewirtschaftete Schlossgarten. Hier wurde ein Experimentier- und Demonstrationsgarten mit alten Kulturpflanzen, Blühwiese, Benjeshecke sowie Stein- und Totholzbiotopen geschaffen. Unter anderem Buchweizen, Lupinen, Getreide und zahlreiche Tomatensorten unterschiedlicher Herkunft werden hier kultiviert. Themenbeete mit Schattenpflanzen und insektenfreundlichen Pflanzen runden das Bild ab. Auch Schüler der Lilienhofschule und manchmal der Thaddäus-Rinderle-Schule sowie Vereinsmitglieder gärtnern hier.

Über einen Parkplatz führt der Weg zum Grabengarten im einstigen Stadtmauergraben an der Frickstraße. Früher wurde hier Gemüse angebaut, heute blüht und summt es in dem verwunschenen Garten, um den sich ehrenamtliche Gärtnerinnen kümmern.

Der Stadtsee – einst Kiesgrube, heute Teil einer „Klimaanlage“

Weiter geht es zum Stadtsee, den Neumagen entlang, bis zu einer Eisenbahnbrücke, unter der der Tunseler Graben abgeht. Er diente früher der Wiesenbewässerung in der Rheinebene. Nicht weit davon liegt der Stadtsee, umgeben von hohen Bäumen, die „wie eine Klimaanlage“ wirken. Einst war der See eine Kiesgrube für den Bau der Bahnnebenstrecke nach Sulzburg Ende des 19. Jahrhunderts.

Ein Stück weiter bachabwärts stößt man aufs Wohngebiet Grünmatten, entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in zunächst lockerer Bauweise. An den bis heute anhaltenden Nachverdichtungen zeigt sich für Wiesler der Zielkonflikt, einerseits Wohnraum schaffen zu wollen, andererseits Grünflächen zwischen Gebäuden zu erhalten.

Gegenüber führt über die „Sieben Hügel“ ein schmaler Weg durch eine leicht hügelige Grünanlage. Dahinter liegt das Mehrgenerationen-Neubaugebiet Rundacker, in dem bereits großer Wert auf Nachhaltigkeit und klimagerechtes Bauen gelegt wurde. Schon älter ist dagegen die Falkenstein-Siedlung: Als der Militärflughafen Bremgarten, Anfang der 1950er Jahre errichtet und in den 60er Jahren der Bundeswehr überlassen wurde, brauchte es Wohnraum für Soldaten und zivile Bedienstete. Rund 250 Wohnungen entstanden hier – samt weitläufiger Grünflächen zwischen den Hochhäusern.

Letzte Station ist der im 16. Jahrhundert angelegte Friedhof. Nicht nur wegen seiner historischen Grabsteine und der Kapelle ist er sehenswert: Auch er ist eine Oase der Ruhe mit uralten Bäumen.

 

Bäume, Gärten, Bachläufe, ein Schlosspark und ein alter Friedhof – Staufen durchzieht ein grünes Band, dass dem Stadtklima guttut.
Foto: Andrea Drescher

Franz Wiesler führt Interessierte durch Staufen und zeigt dabei das Grüne Band der Stadt.
Foto: Andrea Drescher

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